125 Jahre Jugendhilfe in Marktl: Jubiläum im Antoniushaus mit einem großen Fest gefeiert
Marktl. Von der „Kinderbewahranstalt“ zur modernen, überregional bedeutenden heilpädagogischen Einrichtung der Kinder-und Jugendhilfe hat sich das Antoniushaus in den 125 Jahren seines Bestehens entwickelt. Das Jubiläum ist am Samstag mit einem Gottesdienst, Festakt, einer Baumpflanzung und einem Tag der offenen Tür für die Bevölkerung groß gefeiert worden und selbst das Wetter spielte mit. Die Festredner stellten die Bedeutung der Einrichtung in Trägerschaft der Stiftung SLW Bayern bzw. des Seraphischen Liebeswerks Altötting heraus und würdigten auch das segensreiche Wirken der Mallersdorfer Schwestern im Antoniushaus, das 2002 in weltliche Führung übergegangen ist.

Umringt von vielen Gästen ging die symbolische Baumpflanzung zum 125-jährigen Jubiläum des Antoniushauses über die Bühne. Foto: Kleiner
„Rettender Anker für viele Kinder und Jugendliche“
Eingeleitet wurde die Jubiläumsfeier mit einem lebendigen bildhaften Wortgottesdienst mit SLW-Präses Bruder Marinus Parzinger und Ortspfarrer Peter Meister in der hauseigenen Kirche. Freudvolle Lieder des Schulchorsund das kleine Spiel einer Theatergruppe rund um einen Baum als Sinnbild für das Werden, Wachsen und Gedeihen eines Menschen beeindruckten die Besucher besonders. Danach begrüßte der Leiter des Antoniushauses, Thomas Huber, erfreut die vielen Gäste zum Festakt in der Turnhalle, darunter MdB Stephan Mayer, Landrat Dr. Tobias Windhorst und eine Reihe von Bürgermeistern aus der Umgebung und dem ganzen Landkreis. Ein herzlicher Gruß galt auch der letzten Oberin bis zum Abzug der Mallersdorfer Schwestern, Sr. Clarena, und einer Mitschwester, der Leitung der angegliederten Schule mit Rektorin Judith Christoph an der Spitze, den Repräsentanten der Regierung und des SLW sowie vielen Unterstützern, Wegbegleitern und ehemaligen Mitarbeitern.

Ortspfarrer Peter Meister (von links) und SLW-Präses Br. Marinus Parzinger zelebrierten den lebendigen, Mut machenden Wortgottesdienst. Foto: Kleiner
Unter der professionellen und unterhaltsamen Moderation des Musikkabarettisten Wolfgang „Woifi“ Berger aus Wittibreut ging ein buntgemischtes Programm über die Bühne. Wie in seinen Überleitungen, so kam auch bei den Reden viel Wertschätzung für die Erziehungs- und Bildungsleistung des Antoniushauses im Laufe der Zeit zum Ausdruck. In 125 Jahren hat sich die einstige „Kinderbewahranstalt“ hin zum heilpädagogischen Zentrum mit vollstationären Plätzen für männliche Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in sieben heilpädagogischen und therapeutischen Wohngruppen mit Inobhutnahmeplätzen entwickelt. Die angegliederte Grund- und Mittelschule ist ein allgemein anerkanntes Förderzentrum mit Schwerpunkt für emotionale und soziale Entwicklung. Dazu kommen u. a. auch mobile sonderpädagogische Hilfen und Dienste und Hort Angebote.

Die Talkrunde mit Woife Berger (links) und den SLW-Verantwortlichen, Johannes Erbertseder, Stefan König und Thomas Huber. Foto: Kleiner
125 Jahre gelebte Nächstenliebe
Geschäftsführer Thomas Huber blickte kurz auf „125 Jahre gelebte Nächstenliebe“ zurück: Das Antoniushaus wurde 1901 vom damaligen Ortspfarrer Jakob Haydn mit Unterstützung von Marktler Bürgern als Bewahranstalt für arme und teils verwaiste Kinder eröffnet. 16 Jahre später übernahm das Seraphische Liebeswerk die Trägerschaft. Eng verbunden ist das Haus mit den Schwestern der Armen Franziskanerinnen aus dem Mutterhaus in Mallersdorf, die von den mühsamen Anfängen an die Arbeit geleistet und das Heim bis 2002 geleitet hatten. Highlights des Festaktes waren musikalische und akrobatische Darbietungen der Kinder und Jugendlichen und ihrer Lehrkräfte und Betreuer. Die neu gegründete Band „The Mainstreet Boys“ riss die Zuhörer mit Stücken wie „Die perfekte Welle“ zu Beifallsstürmen hin und auch der Schulchor unterstrich die Feststimmung mit Liedern wie „Ein Hoch auf uns“ oder „Don’t worry, be happy“. Ein Musiktheater mit „happy singing socks“ und einige „Diabolo“-Talente wurden ebenfalls viel beklatscht.

Die neu gegründete Band „The Mainstreet Boys“ brachte mit bekannten Popsongs Schwung und Abwechslung in das Programm. Foto: Kleiner
Der Marktler Bürgermeister Benedikt Dittmann sprach in seinem Grußwort von einem lebendigen Stück Heimatgeschichte. Die Einrichtung sei seit 125 Jahren ein „rettender Anker für viele Kinder und Jugendliche“ und sie sei beim SLW als Träger in besten Händen. Die Mallersdorfer Schwestern, ein Jahrhundert lang die Seele des Hauses, seien ein Vorbild für die großartige Arbeit der heutigen pädagogischen Kräfte geworden. In einer immer raueren und komplizierteren Welt könne die pädagogische und soziale Arbeit, die Kindern und jungen Menschen Halt gebe und ihnen Selbstvertrauen vermittle, gar nicht hoch genug geschätzt werden, fuhr er fort und stellte die problemlose Zusammenarbeit der Marktgemeinde mit dem Antoniushaus heraus.
Auch MdB Stephan Mayer würdigte die bedeutende Rolle einer der ältesten und wichtigsten Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtungen in der Region und sprach der Leitung und den Mitarbeitern, der Schule und dem SLW als Träger für die wertegebundene Erziehung sowie die herausfordernde und sinnstiftende Arbeit ein dickes Lob aus. Das umfassende Angebot und die verlässliche Begleitung von Kindern und Jugendlichen in massiven Herausforderungen in der digitalen Welt stellte er besonders heraus.
Landrat Dr. Tobias Windhorst brachte ebenfalls seine Wertschätzung für die unverzichtbare und wertvolle Arbeit zum Ausdruck und verwies auf viele Berührungspunkte mit der Jugendhilfe des Landkreises. Für die Regierung von Oberbayern überbrachte Klaus Funke den Dank und die Anerkennung: Das Antoniushaus mit dem Schulzentrum spiele eine herausragende Rolle für Kinder und Jugendliche, die besondere Unterstützung bräuchten. Auch mit besonderen Konzepten würden hier Stärken, soziale und emotionale Kompetenzen gefördert und die Persönlichkeit entwickelt und den jungen Leuten die Wege für ein gelingendes Leben geebnet.
Die ehemaligen Schulleiter Hermann Eiblmeier und Heribert Wiesheu ließen in ihren Rückblicken auf die langen Jahren ihrer Tätigkeit Erinnerungen wach werden. Näheren Einblick in die Leistung der großen Antoniushaus-Familie bekamen die Gäste auch in einer von Woife Berger geleiteten Talkrunde mit Thomas Huber und den SLW-Führungskräften Johannes Erbertseder und Stefan König, außerdem in einem Gespräch von Rektorin Judith Christoph und ihrer Stellvertreterin Kerstin Niedermeier mit einem ehemaligen und einem amtierenden Schulsprecher. Einen bildlichen Eindruck erhielten die Gäste beim abschließenden Film von Daniel Pech, der beeindruckende Schlaglichter zusammengestellt hatte.

Viele Marktler Familien und Kinder fanden sich zum großen Spielfest am Tag der offenen Tür ein und hatten viel Spaß an den einzelnen Stationen. Foto: Kleiner
„Bäume pflanzen – Leben stärken“
Danach versammelten sich alle im Freien zur symbolischen Pflanzung eine Sommerlinde als Jubiläumsprojekt und Sinnbild für das Leitwort: „Bäume pflanzen – Leben stärken“. Im Festzelt war dann für Speis und Trank gut gesorgt. Bei wunderbarem Frühsommerwetter nutzen zahlreiche Leute aus Marktl und Umgebung, darunter viele Familien mit Kindern, die Gelegenheit bei einem Tag der offenen Tür bei Führungen Einblicke in die Wohngruppen und die Schule zu bekommen und unterhaltsame Stunden zu verbringen. Das weiträumige Heimgelände war zum Jubiläum in ein abwechselungsreiches Spielland verwandelt worden und die Mädchen und Buben waren von den einzelnen Stationen und der Hüpf- bzw. Rutschburg kaum mehr wegzubringen.
Bericht: Alt-Neuöttinger-Anzeiger, 14.05.2026, Monika Kleiner